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Freigerichter Gerd Wolf in Südostasien: Brunei hätte ihn am liebsten als Nationalcoach behalten

27.11.2009 - FREIGERICHT

(gt). Der Freigerichter Gerd Wolf hatte in den vergangenen Wochen Gelegenheit, seine Box-Kenntnisse in Südostasien zu erweitern, alte Kontakte zu festigen und neue zu knüpfen. In Pattaya traf er den Thai Den Junlaphan, den er 1998 bei dessen letzten Amateurkämpfen sekundiert hatte. Unter dem Namen Eagle Kyowa wurde Den danach bei den Profis Weltmeister im Minimumgewicht und verteidigte seinen Titel viermal erfolgreich. Er lebt seit Jahren in Osaka und ist mit einer Japanerin verheiratet.

Diese Verbindung hat ihm persönlich und sportlich Glück gebracht, denn seine Frau managte ihn so erfolgreich, dass er nun gegen Ende seiner Karriere - anders als die meisten anderen sportlich erfolgreichen Boxer - von seinen Ersparnissen leben kann. In Pattaya traf Wolf auch seinen langjährigen Freund Yodsanan Sor Nanthachai. Der Thailänder war von 2002 bis 2005 Weltmeister im Superfedergewicht. Nach seinem Titelverlust hat Yodsanan 14 Kämpfe bestritten und alle durch K.O. gewonnen. Der wertvollste unter diesen Siegen war 2008 der Knockout-Erfolg gegen den ebenfalls zur Weltklasse zählenden Jimrex Jaca. Wolf hatte Yodsanan mehrere Wochen lang für diesen Kampf trainiert. Unter normalen Umständen hätte Yodsanan längst die Chance erhalten sollen, wieder um die Weltmeisterschaft zu boxen. Es scheiterte aber bisher daran, dass sich seine vier Manager wegen Eitelkeiten und um Geld streiten.

Die Manager sind Sityodtong (Pattaya), Songchai Ratanasuban in Bangkok, der thailändische Sportminister und der Australier Daniel Potter, der sich in Thailand niedergelassen hat und vom Diamantenhandel lebt. Zusammen mit dem thailändischen Geschäftsmann Leluvisit Yongyut hat Potter in diesen Tagen sein "Top Rated Gym" in Bangkok errichtet, das weltweit seinesgleichen sucht. Über mehrere Stockwerke verteilt findet man dort zwei Boxringe, Krafttrainingsräume, Saunen, Wohn- und Schlafräume der Boxer, sowie einen Freizeitbereich inklusive Billardtischen. Zur Zeit trainieren bei "Top Rated" mehrere thailändische und ausländische Weltklasseboxer, denen unter den gegebenen Bedingungen zugetraut werden kann, mittelfristig um Weltmeistertitel zu boxen.

Eine rückläufige Entwicklung hat dagegen das Chitalada-Gym in Bangkok genommen. Wo früher die Weltmeister Saman Sorjaturong und Sirimonkol Singmanassak glänzten, hängen nur noch deren verblassene und eingestaubte Fotos. Neben einigen einheimischen Thaiboxern trainiert dort noch der eine oder andere europäische "tough guy" und Lebenskünstler, um in Bangkok mit Kämpfen im Lumpini- oder Ratchadamnoen-Stadion seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

In Manila (Philippinen) trainierte Gerd Wolf im Gym des Ex-Weltmeister Gerry Penalosa. Hier hatte sich vor seinem Superfight gegen Miguel Cotto zeitweise auch der weltbeste Boxer und philippinische Volksheld Manny Pacquiao vorbereitet. Das Besondere an diesem Gym ist, dass Amateure und Profis gemeinsam trainieren.

Ein "Muss" für den Boxfan, der nach Manila reist, ist der Besuch des "Araneta Coliseum". Dort hatte 1975 Muhammad Ali Boxgeschichte geschrieben, als er im "Thrilla of Manila" Joe Frazier schlug.

Wer in diesem Coliseum steht und Blicke und Gedanken zwischen Standort des Boxrings und den steil aufsteigenden Rängen schweifen lässt, der fühlt auch heute noch das Prickeln und die Faszination, die von diesem Ort vor Jahrzehnten um die Welt gegangen sind.

In Bandar Seri Begawan, der Hauptstadt des ölreichen Sultanats Brunei Darussalam auf der Insel Borneo, traf Wolf Boxer und Funktionäre, mit denen er erstmals vor mehr als einem Jahrzehnt in Verbindung stand. Die Bevölkerung Bruneis besteht nur aus insgesamt 380000 Einwohnern und wegen des hohen Lebensstandards war es schon immer schwierig, junge Menschen für den harten Boxsport zu gewinnen.

Seit einigen Jahren betrachtet die Army die Sportart Boxen nicht mehr als förderungswürdig. Deshalb ist es für die Kämpfer Bruneis noch schwieriger geworden international zu bestehen. Die Funktionäre hätten Wolf am liebsten gleich als Nationaltrainer im Lande behalten, aber unter den aktuellen Rahmenbedingungen kann die Arbeit dort nicht wirklich Spaß bereiten.

Es bleibt abzuwarten, ob, wo und wem Gerd Wolf seine Erfahrungen zur Verfügung stellen wird. In jedem Fall sind Verbindung und Austausch mit Menschen anderer Völker und Kulturen für alle Seiten eine unbezahlbare persönliche Bereicherung. Das gemeinsame Interesse und das Engagement im Boxsport sind der Schlüssel dafür.

Der Freigerichter Gerd Wolf hat weltweit beste Kontakte zu verschiedenen Boxern. Zuletzt war der erfolgreiche Trainer in Südostasien unterwegs. Bild: gt


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