(gt). Der Freigerichter Gerd Wolf hatte in den vergangenen Wochen Gelegenheit, seine Box-Kenntnisse in Südostasien zu erweitern, alte Kontakte zu festigen und neue zu knüpfen. In Pattaya traf er den Thai Den Junlaphan, den er 1998 bei dessen letzten Amateurkämpfen sekundiert hatte. Unter dem Namen Eagle Kyowa wurde Den danach bei den Profis Weltmeister im Minimumgewicht und verteidigte seinen Titel viermal erfolgreich. Er lebt seit Jahren in Osaka und ist mit einer Japanerin verheiratet.
Diese Verbindung hat ihm persönlich und sportlich Glück gebracht, denn seine Frau managte ihn so erfolgreich, dass er nun gegen Ende seiner Karriere - anders als die meisten anderen sportlich erfolgreichen Boxer - von seinen Ersparnissen leben kann. In Pattaya traf Wolf auch seinen langjährigen Freund Yodsanan Sor Nanthachai. Der Thailänder war von 2002 bis 2005 Weltmeister im Superfedergewicht. Nach seinem Titelverlust hat Yodsanan 14 Kämpfe bestritten und alle durch K.O. gewonnen. Der wertvollste unter diesen Siegen war 2008 der Knockout-Erfolg gegen den ebenfalls zur Weltklasse zählenden Jimrex Jaca. Wolf hatte Yodsanan mehrere Wochen lang für diesen Kampf trainiert. Unter normalen Umständen hätte Yodsanan längst die Chance erhalten sollen, wieder um die Weltmeisterschaft zu boxen. Es scheiterte aber bisher daran, dass sich seine vier Manager wegen Eitelkeiten und um Geld streiten.
Die Manager sind Sityodtong (Pattaya), Songchai Ratanasuban in Bangkok, der thailändische Sportminister und der Australier Daniel Potter, der sich in Thailand niedergelassen hat und vom Diamantenhandel lebt. Zusammen mit dem thailändischen Geschäftsmann Leluvisit Yongyut hat Potter in diesen Tagen sein "Top Rated Gym" in Bangkok errichtet, das weltweit seinesgleichen sucht. Über mehrere Stockwerke verteilt findet man dort zwei Boxringe, Krafttrainingsräume, Saunen, Wohn- und Schlafräume der Boxer, sowie einen Freizeitbereich inklusive Billardtischen. Zur Zeit trainieren bei "Top Rated" mehrere thailändische und ausländische Weltklasseboxer, denen unter den gegebenen Bedingungen zugetraut werden kann, mittelfristig um Weltmeistertitel zu boxen.
Eine rückläufige Entwicklung hat dagegen das Chitalada-Gym in Bangkok genommen. Wo früher die Weltmeister Saman Sorjaturong und Sirimonkol Singmanassak glänzten, hängen nur noch deren verblassene und eingestaubte Fotos. Neben einigen einheimischen Thaiboxern trainiert dort noch der eine oder andere europäische "tough guy" und Lebenskünstler, um in Bangkok mit Kämpfen im Lumpini- oder Ratchadamnoen-Stadion seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
In Manila (Philippinen) trainierte Gerd Wolf im Gym des Ex-Weltmeister Gerry Penalosa. Hier hatte sich vor seinem Superfight gegen Miguel Cotto zeitweise auch der weltbeste Boxer und philippinische Volksheld Manny Pacquiao vorbereitet. Das Besondere an diesem Gym ist, dass Amateure und Profis gemeinsam trainieren.
Ein "Muss" für den Boxfan, der nach Manila reist, ist der Besuch des "Araneta Coliseum". Dort hatte 1975 Muhammad Ali Boxgeschichte geschrieben, als er im "Thrilla of Manila" Joe Frazier schlug.