Nichts für Ästheten: Vieles misslingt dem TV Gelnhausen im Kampf gegen die Untere Saar, aber das Ergebnis stimmt
Frank Kaminski. Schön anzusehen waren diese 60 Minuten nicht. Zu viele Handgriffe misslangen den Akteuren schlichtweg in diesem Handball-Regionalliga-Kräftemessen. Unter dem Strich war es Kampf statt Spiel - aber beim Abpfiff blinkte auf der Anzeigetafel ein 29:28 für den TV Gelnhausen im Duell gegen die Handballfreunde Untere Saar auf.
"Und das ist es, worauf es ankommt: Wir
TV Gelnhausen -
HF Untere Saar 29:28
haben die Punkte", konnte Trainer Jasmin Camdzic gut über die spielerischen Defizite hinwegsehen. Mit einer Serie von jetzt 7:1-Punkten haben sich die Barbarossastädter sechs Punkte Vorsprung vor dem ersten Abstiegsplatz erarbeitet. Der Coach applaudierte: "Kompliment an meine Spieler, dass sie das geschafft haben."
Aber anders als in den drei zuvor absolvierten Punktspielen in diesem Jahr, war Gelnhausen diesmal nicht sicher auf den Beinen. Lange Zeit liefen die Gastgeber Rückständen hinterher. Ganz arg wurde es nach 20 Minuten: Von einem 9:9-Zwischenstand fiel Gelnhausen auf 10:14 zurück (25.). Und hätte der einmal mehr starke Julian Lahme im Tor kurz darauf nicht einen Tempogegenstoß der Saarländer nervenstark pariert, der einstige Zweitligst hätte wohl endgültig den Anschluss verloren.
Defizite türmten sich in Abwehr und Angriff: Die zunächst gewählte 6:0-Formation war zahnlos. HF-Shooter Kochann konnte sich aus dem Rückraum die Ecke, in der er den Ball dann feuerte, in Ruhe aussuchen. Und auch der Kreisläufer der Gäste bekam zu viele Anspiele und fand zudem reichlich Platz, sich zu drehen und zu treffen. "Wir haben es nicht geschafft, den Gegner zu stoppen", hatte auch Camdzic viel mehr Aktivität erwartet.
Auch im Angriff. Den Offensivaktionen fehlte es zu oft an Entschlossenheit. Zu viele Querpässe kosteten Dynamik, dazu kamen schlecht gezielte Würfe aus besten Positionen. "Wir haben bestimmt zehn 100-prozentige Torchancen verballert", schätzte Camdzic das Ausmaß der Fehlleistungen vor dem Tor richtig ein.
Dass der TVG bis zur Halbzeit aber doch noch bis auf 14:15 herankam und in der Schlussphase der Partie sogar zweimal drei Treffer vorlegen konnte (26:23/53. und 27:24/55.) war Phasen zu verdanken, in der das Team mit deutlich mehr Biss zur Sache ging. Camdzic stellte in der Abwehr auf eine offensivere 3:2:1-Variante um und feuerte seine Akteure besonders in der Schlussphase immer wieder von der Seitenlinie aus lautstark zu mehr Aggressivität an. Und auch im Angriff ging Gelnhausen viel entschlossener zu Werke. Vor allem Jan Wacker und Philip Deinet brachten Zug in die Aktionen. Wacker, der Riese, der in der ersten Halbzeit kaum einen Wurf riskiert hatte, hämmerte binnen fünf Minuten die Kugel dreimal ins Netz (45. bis 50. Minute) und Deinet schob sich mit Kraft, Geschick und feiner Technik durch die gegnerischen Reihen, traf selbst oder riss Räume für seine Mitspieler. Und hätten Oliver Hubbert, Philipp Schwaab und Thomas Ochs, die jeweils freie Bahn hatten, ihre Chancen ebenfalls genutzt, "hätten wir am Ende nicht noch zittern müssen", wusste Camdzic.
Aber es wurde noch einmal überaus eng. Die Gäste, mit identisch hoher Fehlerquote behaftet, aber mit ebenso großen Willenskräften ausgestattet, schlossen auf 27:28 (56.) und 28:29 (59.) auf. "Wir konnten unsere guten Leistungen diesmal einfach in der Abwehr nicht über längere Strecken abrufen", begründete Camdzic das Zitter-Finale, das bis nach Ablauf der Spielzeit dauerte: In Überzahl hatte Wacker überhastet den Ball über die Torlatte gepfeffert und so den Saarländern noch einen letzten Angriff gestattet. Der wurde zwar gestoppt, aber auf Kosten eines Freiwurfes, mit dem Kochann dann nach der Schlusssirene an den lang ausgestreckten Armen der TVG-Mauer scheiterte. "Am Ende war es ein glücklicher Sieg", räumte Youngster Fabian Eurich ein. "Aber nach einer Energieleistung haben wir kämpferisch überzeugt."