60:68! 46ers mit schwacher Leistung beim ersten Heimauftritt gegen Zweitligist Chemnitz
03.09.2010 - GIESSEN
Von Matthias Lehmann
GIESSEN. Er stellte es selber fest: „Es fehlt noch was!“ Nach dem ersten Auftritt der neuen Mannschaft vor heimischer Kulisse musste Vladimir Bogojevic, Cheftrainer und sportlicher Leiter der LTi Giessen 46ers, erkennen, dass noch einiges an Arbeit auf ihn und seine Truppe wartet. Nach der guten Leistung am Dienstag in Frankfurt unterlagen die 46ers gestern Abend in der Osthalle mit 60:68 (34:24) in ihrem zweiten Testspiel gegen den zweitklassigen BV Chemnitz 99ers.
Nur mit Viktor Jacovic als etatmäßigen Aufbauspieler sahen die 620 Zuschauer viel Stückwerk ihres Teams. Der am Dienstag gegen Frankfurt noch stark aufspielende Mathias Perl fehlte wegen eines Infekts und so musste Jacovic von Beginn an den Aufbau in die Hand nehmen - mit mäßigem Erfolg. Zu hektisch, zu unsicher, zu unkonzentriert wirkte der junge Serbe, der sich gestern nicht für größere Aufgaben empfahl. Er ließ sich vom agilen Chemnitzer Zazai mehrfach den Ball aus den Händen nehmen und spielte nicht wenige katastrophale Pässe.
Nicht nur die Zuschauer kamen aus dem Stöhnen nicht mehr raus, auch Vladimir Bogojevic schien die Darbietung an der Seitenlinie nicht zu gefallen. „Ich bin nicht zufrieden, wenn Vereinbarungen nicht eingehalten werden. Damit habe ich ein sehr großes Problem. Mein Wunsch ist es, dass er diese Nervosität ablegt. Er soll der Mannschaft auf die Dauer helfen, und sie nicht noch weiter verunsichern“, redete Bogojevic, der sich sonst eher vor seine Spieler stellt, nach dem Spiel Klartext.
LTi Giessen 46ers - BV Chemnitz 99ers 60:68
Aber nicht nur Jacovic wusste nicht zu überzeugen. Auch seine Kollegen erwischten nicht ihren besten Tag. Selbst Routinier Elvir Ovcina verlegte drei Korbleger in Folge, die er wohl sonst im Schlaf versenkt. Es fehlte an allen Ecken und Enden. Die Rotation stimmte nicht, die Abschlüsse waren zu ungenau und am Ende fehlte auch noch die Frische.
„Am meisten stört mich, dass wir uns haben auskämpfen lassen. Gegen Chemnitz müssen wir mit halbwegs erhöhter Intensität in der Verteidigung gewinnen. Es ist ärgerlich, dass einige Dinge, die wir schon trainiert haben, nicht klappen“, stellte Bogojevic fest.
Dabei führte seine Mannschaft im dritten Viertel zwischenseitlich mit 16 Punkten und schien einem sicheren Sieg entgegenzusteuern, doch die Vorteile unter den Körben wurden nicht mehr konsequent ausgespielt. Dabei hatten die 46ers mit Peacock eine deutliche Überlegenheit. „Er ist sehr aggressiv und kann seine Gegenspieler unter Druck setzen. Das ist schon alles in Ordnung, was er macht“, war Bogojevic einzig mit seinem Forward zufrieden.
Neben den Neuzugängen konnten die Zuschauer in der Sporthalle Ost auch Talente begutachten. Mit Lockhart, Pflueger und Baumann standen gleich drei aufstrebende Spieler im Kader. Lockhart hatte zudem das Glück, dass mit Perl ein Spieler seiner Position ausfiel und er so zu seinen ersten Minuten im Profikader kam.
„Wir wollen den Jungs eine Chance geben“, erklärte Vladimir Bogojevic. Diese nutze Lockhart. Zwar zahlte er auch etliche Male Lehrgeld, doch im Großen und Ganzen feierte der Youngster ein durchaus gelungenes Debüt.
Für die insgesamt dürftige Vorstellung hatte Vladimir Bogojevic am Ende nur einen plausiblen Erklärungsansatz. „Ich wünschte mir, dass es an den müden Beinen lag!“ Das wünschen sich wohl die meisten der Zuschauer. Denn jeder hat gemerkt: Es fehlt noch was.
LTi Giessen 46ers: Smith 1, Freese 8, Mädrich 6, Schwartz 1, Ovcina 6, Jacovic 5, Brooks 19, Tapuskovic, Peacock 14, Baumann, Pflüger, Lockhart.