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Bruchköbeler Ordnungsamt bremst Autos mit einem Gag aus

21.10.2009 - BRUCHKÖBEL

Blitzer-Attrappe sorgt in Hammersbacher Straße für Heiterkeit - und langsames Fahren...

Thorsten Becker. Immer nur streng, immer nur nach den Paragrafen des Gesetzes: Wer bislang geglaubt hat, Ordnungsämter, vor allem Straßenverkehrsbehörden, hätten keinen Sinn für Humor und würden nur darauf aus sein, Knöllchen an die Bürger zu verteilen, muss nun umdenken. Denn die Behörde in Bruchköbel hat es geschafft, mit einem gelungenen Gag die angepasste Geschwindigkeit durchzusetzen. Was für Heiterkeit sorgt, hat jedoch auch einen ernsten Hintergrund...

Schon in Höhe des Bruchköbeler Bauhofs geben es die Schilder eindeutig vor: In Richtung Niederissigheim ist Tempo 30 vorgeschrieben. Bislang hat sich dort aber nicht jeder Autofahrer daran gehalten. Jetzt schon. Der Lenker des schwarzen Kleinwagens hält sich auf der Hammersbacher Straße penibel an die Vorgabe. Es scheint ein Ortskundiger zu sein, der weiß: In Höhe der Baumschule Köhler wartet ein stationäres Geschwindigkeitsmessgerät - ein "Blitzer" - auf ihn.

Dieser "Starenkasten", wie er auch genannt wird, ist zwischen den beiden Fahrbahnen auf einem Grünstreifen postiert - schon seit Jahren. Die Bruchköbeler Ordnungspolizei kann ihr metallisches Auge des Gesetzes in beide Fahrtrichtungen schwenken - auch das ist seit Jahren bekannt. Nur wenige Meter weiter hat der Lenker des Kleinwagens die "Gefahr" schon gewittert, er sieht bereits von weitem die "scharfe Seite" mit den beiden "Augen" in orange und rot in der Sonne aufblitzen. Mit Tempo 30 geht es weiter, erst unmittelbar in Höhe des "Blitzers" merkt er, dass er der Straßenverkehrsbehörde diesmal auf den Leim gegangen ist: Das Geschwindigkeitsmessgerät ist eine Attrappe. Besser gesagt, es handelt sich nur um die Rückseite des "Blitzers", die - mit amtlicher Genehmigung - beklebt worden ist.

Kleine Bastelstunde... Während das kleine schwarze Auto weiter langsam in Richtung Niederissigheim fährt, herrscht auf der Gegenfahrbahn ebenfalls langsamer Verkehr, alle Fahrer halten sich an das Tempolimit. Sollten sie auch, denn auf ihrer Seite stiert ihnen der echte "Blitzer" entgegen - und der ist mit einer Filmrolle geladen.

Bereits seit mehr als einer Woche herrscht bei den Autofahrern auf der Hammersbacher Straße manchmal Verwirrung, oft jedoch Heiterkeit. Dr. Achim Wächtler vom Ordnungsamt hat nichts dagegen: "In dem Moment, in dem ein Auto an dieser Stelle 30 Stundenkilometer fährt, haben wir genau erreicht, was wir wollten." Und Wächtler verrät auf Anfrage das Geheimnis: Der Gag mit dem aufgeklebten "Blitzer" stammt aus seiner Abteilung. Schon länger habe man sich darüber geärgert, dass die Autofahrer einfach nur nachschauen, in welche Richtung das Gerät zeigt und ihre Geschwindigkeit selbst auswählen. Klartext: Weist der "Blitzer" in die entgegengesetzte Richtung, wird weiter munter drauflos gerast, ohne auf die Tempo-30-Zone zu achten.

Die pfiffige Idee, so Wächtler weiter, sei in einer kreativen "Bastelstunde" vom Ordnungspolizisten umgesetzt worden. "Er hat einfach die Vorderseite abfotografiert, ausgedruckt, laminiert und dann aufgeklebt", verrät der Ordnungsamtschef. Das Resultat ist gelungen: "Ich muss selbst grinsen, wenn ich dort vorbeifahre", gesteht er ein. Selbst mit Argusaugen ist es aus der Distanz nicht möglich, das echte Gerät von der Attrappe zu unterscheiden. "Nur wer langsam fährt, der merkt es. Und das ist unser Ziel", fügt Wächtler hinzu.

Der Gag hat allerdings einen ernsten Hintergrund: "Wir wollen endlich erreichen, dass Kinder und auch ältere Menschen die Straße dort gefahrlos überqueren können", sagt der Ordnungsamtschef. Denn an dem Standort des Blitzers befinden sich zwei Bushaltestellen, der Schulweg zur Haingartenschule führt ebenfalls entlang er Hammersbacher Straße. Und die Zahlen aus den vergangenen Monaten sind alles andere als lustig: Binnen zehn Wochen hat die Straßenverkehrsbehörde an dieser Stelle 1035 Überschreitungen der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit gemessen. Trauriger Rekord: Ein Auto war 35 Stundenkilometer zu schnell.

"Uns geht es nicht darum, Geld zu verdienen, sondern für die Verkehrssicherheit zu sorgen", betont Wächtler. Die neue Attrappe unterstreicht seine Aussage. Allerdings wolle die Stadt es nicht tolerieren, dass die Tempo-30-Zone zwischen Bruchköbel und Niederissigheim weiter missachtet wird. Daher sind die Autofahrer trotz des Gags nicht davor gefeit, dass Raserei für sie Folgen haben könnte. "Wir haben auch ein mobiles Messegerät, das filmt und gar nicht blitzt", sagt Wächtler. Und dieser "Blitzer" werde auch vor und hinter den stationären Anlagen eingesetzt.

Für ihn ist die Attrappe an der Hammersbacher Straße erst einmal ein Testballon. Weitere "Bastelarbeiten" der Ordnungspolizei werde es jedoch vorerst nicht geben, weil die übrigen stationären "Blitzer" im Stadtgebiet alle jeweils am Fahrbahnrand installiert sind. "Da macht es keinen Sinn."

Original und Fälschung sind nur bei langsamer Fahrt auseinanderzuhalten: An der Hammersbacher Straße hat die Bruchköbeler Ordnungspolizei die Rückseite des echten "Blitzers" beklebt und für eine wirkungsvolle Attrappe gesorgt.Bild: Becker


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