40-Jähriger soll Ehefrau, die sich scheiden lassen wollte, mit Küchenmesser erstochen haben - Nachbarn: Es gab oft Streit
Steffen Reith . Ein 40-jähriger Mann ist gestern Morgen in Schlüchtern unter dem dringenden Tatverdacht festgenommen worden, seine 38-jährige Ehefrau erstochen zu haben.
Um sechs Uhr ist es nach Angaben der Polizei in einem Mehrfamilienhaus in der Innenstadt (Krämerstraße 11) zu einem Streit zwischen den afghanischen Eheleuten gekommen, der für die 38-Jährige tödlich endete. Das Opfer, das nicht mehr in dieser Wohnung lebte, hatte nach Angaben der Polizei am Tatort genächtigt, um bei ihren Kindern zu sein. Zur Familie gehören zwei Töchter (8 und 13) sowie ein Sohn (11). Die Kinder waren nach Angaben des Hanauer Staatsanwaltes Jörg Bannach während der Tat in der Wohnung. Ob sie die Tat miterleben mussten, war gestern noch nicht zu klären.
Laut Henry Faltin, Sprecher im Polizeipräsidium Osthessen, habe der Mann sich widerstandslos festnehmen lassen. Ob er selbst oder andere die Polizei verständigten, ließ Faltin aus "ermittlungstaktischen Gründen" offen.
Die Frau, die in Schlüchtern eine eigene Wohnung hatte, wurde gestern noch obduziert. Der Tatverdächtige soll heute dem Haftrichter vorgeführt werden. Den gestrigen Tag verbrachte der Afghane in Gewahrsam der Kriminalpolizei Gelnhausen. Nach Informationen unserer Zeitung lief zwischen den Eheleuten bereits das Scheidungsverfahren. Immer wieder sei es in der Wohnung zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen dem Paar gekommen. Der Tatverdächtige wird als stark aufbrausend, aber hochintelligent beschrieben. Er spricht fließend Deutsch und hat in seinem Heimatland ein Jura-Studium erfolgreich abgeschlossen.
Nur vier Stunden nach der Tat deutet in der Schlüchterner Krämerstraße nichts darauf hin, dass hier am Morgen etwas Fürchterliches in der Wohnung der afghanischen Familie geschehen ist. Keine Polizei, kein Absperrband, keine Passanten, kein Medienrummel. Dabei haben kurz zuvor drei minderjährige Kinder im Alter von 8,11 und 13 Jahren ihre Mutter für immer verloren. Und der Vater wird die nächsten Jahre wohl im Gefängnis verbringen.
Die 38-jährige wollte einen Schlussstrich unter ihre Ehe ziehen. Sie hatte sich eine eigene Bleibe gesucht, das Scheidungsverfahren lief bereits. In der einst gemeinsamen Wohnung hatte sie auf Wunsch eines ihrer Kinder genächtigt. Am Frühstückstisch kam es dann am Freitagmorgen wohl erneut zum Streit. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei soll der Tatverdächtige mit einem Küchenmesser seine Frau attackiert haben. Genauere Informationen zum Hergang wollen Staatsanwaltschaft und Polizei erst nach der Obduktion des Opfers bekannt geben.
Aus der Nachbarschaft heißt es, dass es immer wieder Streit zwischen den Eheleuten gegeben habe. In der Krämerstraße in Schlüchtern lebte die Familie seit etwas mehr als drei Jahren, zuvor war sie in Steinau wohnhaft. Dort habe der Mann, der in religiöser und politischer Hinsicht als "fundamentalistisch" charakterisiert wird, regelmäßig Ärger mit anderen Bewohnern im Mietshaus gehabt. "Das war eigentlich ein schlauer Kerl, der in seiner Heimat Jura studiert hatte und fließend Deutsch sprach", sagt ein Mann, der den Tatverdächtigen aus dessen Steinauer Zeit kennt. Er habe auch stets großen Wert auf eine gute Ausbildung seiner Kinder gelegt. Aus Afghanistan sei er geflüchtet, weil er dort politisch verfolgt worden sei.
Zuerst war die Frau nach Deutschland gekommen, er folgte ihr einen Monat später. Die Kinder dürften sich gegenwärtig in der Obhut des Jugendamtes befinden.