Auf den Spuren der Brasilien-Auswanderer
03.09.2010 - GRÜNDAU
Gründauer Geschichtsverein eröffnet interessante Ausstellung am Beispiel der Familie Dreßbach - Kontakt zu Nachfahren
(gam). Der Gründauer Geschichtsverein präsentiert im Museums-Cafe eine neue Ausstellung zum Thema „Ausstellung Auswanderer“ am Beispiel der Familie Dreßbach - zusammengestellt von Klaus von Berg. Als Grundlage diente dem Hobby-Namensforscher von Berg das Buch des Brasilianers Rodrigo Trespach aus einer Provinz in Südbrasilien, der die Wurzeln seiner Vorfahren nicht vergessen kann.
„Wir korrespondieren mindesten einmal die Woche per E-Mail“, sagte von Berg bei der Eröffnung der Ausstellung. Über das Buch, das Rodrigo Trespach schon vor längerer Zeit geschickt hatte, waren alle im Geschichtsverein erfreut, doch bislang konnte es niemand lesen, da es ist in Brasilianisch geschrieben ist. Über den Brachttaler Geschichtsverein, der auch über die Familien Dreßbach recherchiert, wurde eine Verbindung zu Maria-Elena Boeckel dos Santos hergestellt, die aus Brasilien kommt, aber nach Deutschland zurück gekehrt ist und Gast bei der Eröffnung der neuen Ausstellung war. Boeckel dos Santos hatte von Berg die Übersetzung diktiert.
Weiter zeigt die Ausstellung Bilder von Verwandten des Rodrigo Trespach und verschiedene Stammbäume. Zur Eröffnung waren viele Interessierte Mitglieder und Gäste gekommen, die der Vorsitzende Walter Uffelmann freudig begrüßte. Klaus von Berg stellte den Gästen die Ausstellung vor. Die bisher in unserer Region nachweisbare Geschichte der Familie Dreßbach beginnt am 26. Oktober 1713 in Hellstein mit der Heirat des Anthon Dreßbach und der Maria Brill aus Neuenschmidten. Das Ehepaar wohnte in Neuenschmidten und bekam vier Kinder. Anna Margaretha, geboren Januar 1714, Johann Lorenz, geboren Oktober 1716, Johann Walter, geboren 1718, und Johannes, geboren 1720. Aus der Ehe gehen acht Kinder hervor, von denen Dreßbach-Namensträger in Lieblos, Rothenbergen, Roth und in Brasilien sowie in den USA abstammen.
Hochzeit in Lieblos
Johann Conrad Dreßbach war das fünfte Kind des Ehepaares Lorenz und Anna Margaretha Dreßbach. Er heiratete am 14. Februar 1773 in Lieblos Anna Margaretha Lips aus Düdelsheim und zog mit seiner Frau nach Calbach bei Büdingen. Dort war er als Zimmermann tätig. Er setzte damit, wie schon sein Vater und sein älterer Bruder Anthon in Lieblos die Familientradition bei der Berufswahl fort. Neben drei Mädchen bekam das Ehepaar Johann Conrad und Anna Margaretha Dreßbach auch einen Sohn, geboren am 14. Januar 1778, der den Namen Friedrich erhielt und ebenfalls als Zimmermann arbeitete. Irgendwann zwischen 1820 und 1824 entschloss sich Friedrich Deßbach, nach Brasilien auszuwandern. „Damit man diese Auswanderung nach Brasilien verstehen kann, ist es notwendig, sich die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen dieser Zeit vor Augen zu halten“, sagte von Berg. Nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa atmete auf nach dem Ende der napoleonischen Zeit. Obwohl der Krieg schon 1815 endete, hatte sich die schlechte Situation in den Städten und der Landwirtschaft in Deutschland nicht verändert. Die Industrialisierung veränderte die Berufe und viele gewöhnliche Arbeiter erhielten sehr geringen Lohn. Die von Napoleon durchgesetzte Impfung ließ die Bevölkerung in Deutschland schnell anwachsen. Das Handwerk litt Not und die Unabhängigkeitserklärung von 1822 unter Dom Pedro I., der sich selbst zum Kaiser von Brasilien gekürt hatte und die Unabhängikeit von Portugal erklärte, warb Soldaten aus Deutschland an. So verließ im Mai 1824 Friedrich Dreßbach seinen Heimatort Calbach und ging mit seiner Frau Anna Christina (31), seinem ältesten Sohn Caspar (22) mit Ehefrau Anna Maria (23), und Caspars Geschwistern Anna Maria (20), Johannes (13) und Jacobina (vier), Catharina (drei) sowie Dorothea (zwei) und seinem Schwager Jacob Kempf (26) aufs Schiff und kam am 8. August 1824 in Brasilien an.