Die Maus in der Weihnachtskrippe...
15.12.2010 - GELNHAUSEN
... und Laura auf der Himmelsleiter: Autorenlesung mit Helga Frei, die ihr Talent für das Schreiben erst spät entdeckte
(cra). Mit „Laura auf der Himmelsleiter“ stellte Helga Frei aus Alzenau am Samstagnachmittag in der Grimmelshausen-Buchhandlung ihr erstes Werk vor, das sie nicht nur selber geschrieben, sondern auch eigenhändig illustriert hat. „Schreiben ist für mich eine Gottesgabe“, sagt die 68-Jährige.
In einem Gespräch mit dem Gelnhäuser Tageblatt berichtet sie, wie sie sich diese Gabe erschließen konnte. Als ihr Mann 2003 nach schwerer Krankheit verstarb, sei sie zunächst in ein tiefes Loch gefallen und auch selber krank geworden. Während langer Spaziergänge in der Natur, bei denen sie Trost suchte und fand, sei ihr plötzlich eine Überschrift in den Kopf gekommen.
Zu Hause setzte sich Helga Frei nieder und schrieb auf, was ihr in den Sinn kam - und die Geschichten offenbarten sich wie von selbst, als ob ihr jemand die Hand geführt hätte. „Das ist umso bemerkenswerter, da ich früher damit nichts am Hut hatte und sogar das Schreiben von Urlaubspostkarten meinem Mann überlassen habe“, staunt die Autorin heute. Doch nach dem Tode ihres Gatten schrieb sie sich nicht nur in einem Tagebuch allen Kummer von der Seele, sondern schuf auch nette kleine Geschichten, in denen sie ihre Sehnsucht nach einer heilen Welt zum Ausdruck brachte. „Ich schreibe auf, wie es sein sollte“, bekennt Helga Frei, „man sollte immer miteinander leben statt gegeneinander, dann würde die Welt für jeden besser aussehen“.
Als ehemalige Verkäuferin in einem Spielwarengeschäft wusste die „Nachwuchs“-Schriftstellerin natürlich, was Kinder mögen. Bevor sie ihre Geschichten jedoch verlegen ließ, versah sie diese mit eigenen kindgerechten Zeichnungen und stellte ihre Mappe kleinen Zuhörern in Kindergarten und Grundschule vor.
Auch in der Grimmelshausen-Buchhandlung hörten sich nun die jüngsten Besucher interessiert ihre Erzählungen an. Diese sind für das Vorlese -und Erstlesealter konzipiert. Es sind einfache kurze Geschichten aus dem Leben und Erleben von Kindern, oft gewürzt mit einer Prise Fantasie. So berichtete die Autorin unter anderem von einem umgeworfenen Blumentopf, einem Schulausflug in den Frankfurter Zoo und einem Traum, wo Laura auf einer Leiter in den Himmel hinauf steigt und dort dessen Herrlichkeit erblickt. Diese Geschichte trug Helga Frei nicht nur Kindern, sondern auch im Seniorenheim vor, wo eine Bewohnerin sie immer wieder hören wollte. Auf einer wahren Begebenheit beruht die Geschichte von der kleinen Kirchenmaus, die besonders gut in diese Jahreszeit passt: Bei einem Besuch in der Kirche, wo sie sich die Weihnachtskrippe anschauen wollte, habe ihr der Küster erzählt, dass sich zum Leidwesen des Pfarrers eine Maus dort hinein verirrt habe und er jetzt leider eine Falle aufstellen müsse. Doch glücklicherweise sei nicht nur in der Fantasie, sondern auch in der Realität die Falle leer geblieben - und die Maus wieder ins Freie entschlüpft.