Müller und Bäcker als reiche Leute
10.09.2010 - GELNHAUSEN
Wulf Vesper hält Vortrag über Entwicklung des Müller-, Bäcker- und Fleischerhandwerks
(rdn). Der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde mit dem Zweigverein Gelnhausen hat sich vorgenommen, in einer Vortragsreihe über wirtschaftshistorische Themen zu berichten. Den ersten Vortrag hielt der Oberstudiendirektor i. R. Wulf Vesper im Romanischen Haus über die Entwicklung des Müller-, Bäcker- und Fleischerhandwerks in Hessen.
Nach der Begrüßung durch die Vorstandsmitglieder Ingrid Raedler und Michael Lapp zeigte Vesper die Entwicklung des Müller-Handwerks und die Auswirkungen der Mutterkornkrankheit auf. Die Mutterkornkrankheit war in früheren Zeiten weit verbreitet. Dabei handelt es sich um eine Pilzkrankheit. Die Bezeichnung Mutterkorn fußt übrigens auf der früheren Verwendung als Abtreibungsmittel, da die Inhaltsstoffe Wehen auslösen. Im 17. Jahrhundert wurde die Droge in die Praxis von Heilern oder Badern eingeführt. Weiter zeigte Vesper die Entwicklung der entsprechenden Mühlen auf, die früher mit der Kraft des Wassers angetrieben wurden. Weiter wies er darauf hin, welchen Einfluss die Müller und Bäcker in der früheren Gesellschaft des Mittelalters hatten. Sie gehörten zu den Zünften mit großer politischer Einflussnahme und hatten auch das meiste Geld.
Nicht ganz so einflussreich war die Zunft der Metzger. Sie ist in Kassel seit 1421 beurkundet. Zu dieser Zeit gab es bereits einen Fleischbeschauer, und der Verkauf des Fleisches fand unter Aufsicht statt. Schwierigkeit hatten die Fleischer mit den jüdischen Metzgern, die nur rituell schlachten durften. Den gläubigen Juden durften keine Rinder-Hinterviertel angeboten werden. Hier ist der Bezug zum ersten Buch Moses, Kapitel 32, Verse 22 bis 33 zu sehen, wo Jakob einen Kampf mit Gott führte und dabei eine Verletzung am Hüftgelenk erfährt. Die Geschichte mündet in der Gründung des Volkes Israel und zeigt auf, warum im Judentum der Muskel über dem Hüftgelenk eines Tieres nicht verspeist werden darf. Dieses Fleisch musste frei auf dem Markt verkauft werden. Dadurch kam eine Menge hochwertiges Fleisch in den Handel. Weitere Themen sind am 26. Oktober das „Rauchen“, am 16. Oktober die Zigarrenindustrie und am 30. November die Wirtschaftsethik zur Zeit Luthers.