04. Februar 2012 13:38 Uhr
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Gelnhäuser Tageblatt

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Gelnhausen 

Schmuckstück ohne Minarett: „Leute sollen beeindruckt sein“

01.09.2010 - GELNHAUSEN

Türkisch Islamische Union plant „attraktives Gemeindezentrum“ an neuem Standort

(ka). Zumindest in der Vorstellung von Mehmet Zortuk und seinen Glaubensbrüdern hat das neue Gemeindezentrum der Türkisch Islamischen Union Gelnhausen in der Altenhaßlauer Straße bereits Gestalt angenommen. „Das soll kein Hinterhofgebäude werden, sondern ein Schmuckstück. Die Leute sollen mit dem Finger darauf zeigen und beeindruckt sein“, beschreibt das 50-jährige Vorstandsmitglied seine Vision, die bis Ende des nächsten Jahres Realität werden soll.

225 000 Euro zahlt die Glaubensgemeinde für das knapp 1 700 Quadratmeter große Grundstück in unmittelbarer Bahnhofsnähe. Dort, wo jetzt ein verlassenes weißes Haus in wildem Gebüsch steht, sollen Gebetsraum, Teehaus und ein Lebensmittelladen in schmucker Form entstehen. Auf ein Minarett allerdings müssen die knapp 150 Mitglieder auch künftig verzichten, denn das Stadtparlament hat eine „Minarettsverbotsklausel“ in den Kaufvertrag hineinschreiben lassen - und dies war letztlich erst Grundvoraussetzung für das Grundstücksgeschäft.

Irritiert über Minarettdebatte

Das grüne Licht aus dem Stadtparlament hat die Türkisch Islamische Union Gelnhausen „sehr gefreut.“ Schließlich braucht die in den frühen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegründete Gemeinde einen neuen Ort, nachdem das jetzige Gemeindezentrum in der Clamecystraße im Zuge der Erweiterung des Ärztezentrums in den nächsten Monaten weichen muss. Die Nebengeräusche allerdings, die die aktuelle Grundstückssuche begleiteten, haben die Gemeinde irritiert. „Wir waren doch sehr überrascht, als wir aus der Zeitung über die Minarett-Debatte erfuhren“, verdeutlicht Zortuk. „Denn wir wollten nie eines bauen. Daran haben wir keinen Gedanken verschwendet.“ Auch der Vorsitzende der Glaubensgemeinschaft, Muhittin Gözütok, schüttelt den Kopf: „Die ganze Aufregung, die hier entstanden ist, können wir nicht recht verstehen.“

Dass die Türkisch Islamische Union für einen Teil der Bürger immer noch ein Stück Fremdheit darstellen könnte, wollen Gözütok und Zortuk nicht recht glauben. „Viele von uns leben seit 45 Jahren in Gelnhausen - und wir fühlen uns gut integriert“, betont Gözütok. Zortuk, der 1973 in die Stadt kam, bezeichnet sich selbst als „Gelnhäuser“: Er war Fußballtrainer hier und hat sich einen KfZ-Betrieb auch mit deutschem Kundenstamm aufgebaut. Und Gelnhausen hat auch ihn verändert: Schon längst schafft er es nicht mehr regelmäßig, seine fünf Gebete täglich zu sprechen. „Es fehlt einfach die Zeit. Aber beim Freitagsgebet bin ich immer da.“

Ihre Ziele als Glaubensgemeinschaft formuliert die Union offen: „Wir brauchen einen Ort, an dem wir fünf Mal am Tag beten, an dem wir unsere Religion und unsere Kultur pflegen und vermitteln können.“ Unter dem Begriff Kulturpflege versteht Zortuk neben dem Sprechen der türkischen Sprache auch das Vermitteln von Landeskenntnissen, den Austausch von Erinnerungen und Neuigkeiten und auch das Lehren von Umgangsformen. „Nicht zuletzt ist uns der soziale Aspekt ganz wichtig: Wir wollen auch die Kinder von der Straße holen und ihnen einen Treffpunkt bieten. Und das gelingt ganz gut: Zum Freitagsgebet sind die meisten Jugendlichen da“, sagt Zortuk.

Am 31. Dezember läuft der Mietvertrag im alten Domizil aus. „Vielleicht können wir die Räume noch etwas länger nutzen“, hofft die Gemeinde auf eine möglichst kurze Überbrückungszeit. Denn außer den 150 eigenen Mitgliedern ist der Gebetsraum in der Clamecytraße auch Anlaufpunkt für Menschen islamischen Glaubens aus den Nachbarorten. „Zu uns kommen auch Marokkaner, Tunesier und Afghanen, um zu beten“, berichtet Zortuk. Unterhaltungen werden in der Moschee aus diesem Grund auch nicht immer auf Türkisch geführt. „Nein, wir sprechen auch sehr oft Deutsch“, lächelt Zortuk.

Hier soll das neue islamische Gemeindezentrum stehen: Mehmet Zortuk (l.) und Muhittin Gözütok planen ein „Schmuckstück ohne Minarett“. 	Foto: ka

Hier soll das neue islamische Gemeindezentrum stehen: Mehmet Zortuk (l.) und Muhittin Gözütok planen ein „Schmuckstück ohne Minarett“. Foto: ka Vergrößern

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