Prunkvolles Regieren in der Kaiserpfalz
29.06.2010 - GELNHAUSEN
Kunsthistorikerin Elisabeth Heil füllt alte Mauern mit Leben
(cra). Feste, Regierungsgeschäfte und Jagdvergnügen: Die prunkvollen Aufenthalte von Kaiser Barbarossa und seinem Gefolge standen im Mittelpunkt einer Führung von Dr. Elisabeth Heil durch die Kaiserpfalz. Zunächst erläuterte die Kunsthistorikerin, dass Friedrich I. im 12. Jahrhundert darauf angewiesen war, als „Reisekaiser“ seinem Reich überall immer wieder Präsenz zu zeigen.
Dadurch konnte er Auseinandersetzungen einzelner Fürstenhäuser zum Beispiel um territoriale Ansprüche vor Ort klären und sich gleichzeitig der Loyalität seines Volkes versichern. Aufgrund überlieferter Schriften ist bekannt, dass das Gefolge des Kaisers etwa 500 bis 1 000 Personen umfasste und das der Kaiserin ebenfalls. Wurden Reichstage abgehalten, so brachten die adligen und klerikalen Herrschaften ebenfalls ihr Gefolge mit. Beim Reichstag von 1280 hätten sich insgesamt circa 5 000 Besucher in der Kaiserpfalz und in einer eigens errichteten Zeltstadt auf der Müllerwiese und anderen Wiesen der Umgebung aufgehalten.
Anhand der gut erhaltenen Hoffront und den begehbaren Überresten der Kaiserpfalz vermittelte Heil den Besuchern ein Bild des imposanten Gebäudes und füllte es imaginär mit Leben. Sie beschrieb buntbemalte Wände und farbige Zinnen der dreigeschossigen Burg. Von der Galerie hätten der Kaiser und seine Gemahlin auf ein buntes Treiben mit Ritterspielen, sportlichen Wettkämpfen, Vorträgen von Minnesängern und Darbietungen von Gauklern hinabgeschaut.
Eine Kapelle mit Sakristei befand sich über der Torhalle. Dort wurden bei Anwesenheit des obersten Herrschers die Krönungsinsignien, die Heilige Lanze und vermutlich etliche Reliquien untergebracht. Um den Herrschaften einen gewissen luxuriösen Lebensstandard zu erhalten, der sie gleichzeitig vom gemeinen Volk abhob, wurden sämtliche Einrichtungsgegenstände vom Mobiliar über kostbare Teppiche, Wandbehänge, sakrale Gegenstände bis hin zum Trinkbecher mitgenommen.
Da die lokalen Märkte der Handelsstädte zur Versorgung des kaiserlichen Gefolges nicht immer ausreichten, wurden auch eigene Viehherden und haltbare Lebensmittel wie Getreide mitgeführt.
Auch die Damen jagen
Die kaiserliche Jagd diente nicht nur der Beschaffung von Frischfleisch, sondern befriedigte ebenfalls die Abenteuerlust. An der Jagd nahmen nicht nur Herren, sondern auch Damen gleichberechtigt teil. In alten Handschriften wird besonders die Jagd mit Sperbern als weibliche Domäne beschrieben.
Leider, so die Historikerin, gebe es über das genaue Entstehungsdatum der Gelnhäuser Kaiserpfalz keine Unterlagen. Sie wurde auf einer Insel der Kinzig errichtet und zur Wasserburg ausgebaut. Zur Sicherung der Fundamente wurden zahlreiche Eichenpfähle in den Morast getrieben. Anhand der Überreste dieses Holzes gelang es Wissenschaftlern, das Alter der Eichenpfähle auf 1269/70 zu datieren, erläuterte die Kunsthistorikerin. Durch Absenkung des Grundwasserspiegels der Kinzig, die zur damaligen Zeit noch schiffbar war, wurden die Eichenpfähle der Luft ausgesetzt und begannen zu faulen. Dadurch fing das Gebäude bereits nach einem Jahrhundert an, teilweise in sich zusammen zu stürzen.