Von Elsbeth Ziegler
Magdalena B. ist noch keine 30 Jahre alt, hat aber in ihrem Leben schon viel durchgemacht und sich dennoch in ihrem geraden Weg nicht beirren lassen. Geboren wurde sie in Polen. Die deutsche Sprache hat ihr schon immer gefallen. Was lag da näher als ein Germanistikstudium? In den Semesterferien jobbte sie in Deutschland: "Das hat meinem Portemonnaie und meinen Sprachkenntnissen gut getan", erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei einem Sommer-Arbeits-Sprach-Aufenthalt in Deutschland lernte sie ihren späteren Ehemann, einen EU-Bürger, kennen. Die große Liebe endete im Frauenhaus. "Nach der Hochzeit hat er sich um 180 Grad gedreht." Jetzt wird sie von der Heinrich-Sauer-Stiftung aus Gelnhausen betreut.
Der junge Ehemann hatte nicht nur ein Alkoholproblem, er wurde auch gewalttätig gegen Magdalena, erzählt sie. Immer wieder musste sogar die Polizei eingreifen. "Doch nach ein paar Stunden war er wieder da." Damals lebte das Ehepaar in Niedersachsen. Ein kleines Mädchen komplettierte die junge Familie. Doch: "Ich hatte dort keine Verwandten, keine Freunde und immer nur Angst." Sie wurde bedroht, geschlagen und stand fast pausenlos unter psychischem Terror. "Ich hatte große Angst um meine Zukunft und die Zukunft meines Kindes." Als die Kleine acht Monate alt war, hielt es die junge Frau nicht mehr aus, packte ihr Bündel und versteckte sich samt Kind. Finanziell hatte sie nur ein winziges Polster, weil ihr Ehemann ihre Geldkarte gesperrt hatte. Wie es auch immer zuging: Ihr Mann fand heraus, wo sie war.
Familienangehörige haben sie dann unterstützt und vor über drei Jahren in den Main-Kinzig-Kreis geholt. Im Frauenhaus Wächtersbach fand sie Hilfe - und auch den Weg zu einer finanziellen Unterstützung. "Hartz IV hat uns geholfen zu überleben." Die Scheidung wurde eingereicht und ausgesprochen. Die Eltern haben gemeinsam das Sorgerecht für die kleine Tochter. Doch der Vater kümmert sich nicht um sein Kind: "Es kennt keinen Vater. Er hat kein Interesse an ihr."
Hartz IV sollte nicht das Ende der Fahnenstange sein. Die junge Frau wollte arbeiten, bevorzugt in ihrem Beruf: "Ich hatte meine Ziele und wollte doch nicht noch als alte Frau auf irgendwelche Ämter angewiesen sein." Ihr Diplom wurde anerkannt. Sie hätte als Deutschlehrerin in Hessen arbeiten können. Doch für eine feste Stelle als Lehrerin an einer Haupt- oder Realschule musste noch ein zweites Fach her. "Mit Hartz IV hätte ich es schon irgendwie geschafft, doch mein Studium sollte nicht unterstützt werden, auch wenn ich das Geld später zurückzahlen wollte." Trotz Kind und geplantem Studium sollte sie noch arbeiten gehen. Zur Not eben am Abend. Doch da hatte sie niemanden, der auf das kleine Mädchen aufpassen konnte. Kindergärten schließen eben am Spätnachmittag.
Bei den regelmäßigen Treffen im Frauenhaus erzählte Magdalena von ihren Problemen. Dabei wurde sie auf die Gelnhäuser Heinrich-Sauer-Stiftung aufmerksam gemacht. Sie nahm mit dem zweiten Vorsitzenden Hans Jürgen Freund Kontakt auf. Und der Diplomverwaltungswirt machte Magdalenas Problem zur Chefsache. Ein dicker Ordner zeugt von seinen Bemühungen und der Hilfe durch die Heinrich-Sauer-Stiftung. "Das ist unser dickster Ordner", schmunzelt er und freut sich, dass die junge Frau kurz vor dem Abschluss ihres Studiums steht: "Am 31. März ist die letzte Prüfung." Viele Behördengänge und Gespräche wurden geführt. Doch obwohl Magdalena B. als alleinerziehende Mutter ein so genannter "Härtefall" war, führte der Behördenweg zu keinem positiven Ergebnis: "Entweder Hartz IV oder Studium ohne Hartz IV-Zahlungen", hieß es.