Gestern besondere Stadtführungen anlässlich des Weltfrauentags - 200 Teilnehmerinnen
(fm). "Ein Mann ohne Frau ist wie ein Herd ohne Feuer", lautete gestern das Thema der historischen Stadtführungen anlässlich des Weltfrauentages. Während eines Stadtrundgangs wurde das Leben von Frauen unterschiedlicher sozialer Schichten im Mittelalter und der frühen Neuzeit beleuchtet.
Organisiert wurden die Stadtführungen von der Frauenbeauftragten des Main-Kinzig-Kreises, Angelika Foltin-Alig, und Heike Schmidt, der Frauenbeauftragten der Stadt Gelnhausen. Die Umsetzung übernahmen die drei Stadtführerinnen Ursula Geiger, Hannelore Kreddig und Irene Palich, die jeweils eine Gruppe überwiegend weiblicher Besucherinnen am Vormittag und am späten Nachmittag durch die Straßen der Altstadt führten. Zur Stärkung - und damit das "Zusammensein nicht zu kurz kommt" - bestand die Möglichkeit, an einem Frühstück im Café "Petit Four" oder an einem gemeinsamen Abendessen im "Baurat" teilzunehmen. Das Ziel der Organisatorinnen, mit dieser aktiven Beschäftigung mit der Geschichte des weiblichen Geschlechts "alle Frauen zu erreichen", war mit über 200 Anmeldungen, bei denen alle Altersklassen vertreten waren, erfolgreich erfüllt worden.
Mit einem kurzen Rückblick in die geschichtlichen Anfänge des Weltfrauentages durch die beiden Frauenbeauftragten begannen die knapp zweistündigen Führungen. Das Datum des Weltfrauentages geht auf einen Streik der Arbeiterinnen in einer New Yorker Textilfabrik im Jahre 1857 zurück, der von der Polizei blutig niedergeschlagen wurde. 50 Jahre später, am 8. März 1907, wurde erstmals an diese Vorfälle erinnert und der Weltfrauentag aus der Wiege gehoben. Seitdem haben sich Frauen ihre Gleichberechtigung nach und nach erstritten. Doch erst ab 1955 durften Ehefrauen in der BRD ihr eigenes Konto haben und zwanzig Jahre später mussten Frauen ihren Mann nicht mehr um Erlaubnis fragen, damit sie arbeiten durften. Das Motto des diesjährigen Weltfrauentages lautete "Gleiche Rechte, gleiche Chancen - Fortschritt für alle", womit auf die nach wie vor bestehenden Ungleichheiten hingewiesen wurde.
In der nachfolgenden historischen Stadtführung durch Gelnhausen, den "Prototyp einer mittelalterlichen Stadt", wurde die Situation von Frauen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen näher erläutert. In der Stadt lebten Händler und Kaufleute, die ihre Töchter mit etwa 20 Jahren verheirateten. Ebenso wie bei der Eheschließung, bei der Vater und zukünftiger Bräutigam alle wichtigen Dinge regelten, galt auch vor Gericht das Wort eines Mannes mehr als das einer Frau. In der wirtschaftlichen Blütezeit der Stadt lernten aber auch viele Frauen Lesen, Schreiben und Rechnen, um ihren Ehemännern die Bücher führen zu können. Es existierten erstmals Frauenzünfte, etwa die der Hutmacherinnen oder Goldstickerinnen. Bei den Hochzeiten der Mädchen des Hochadels spielten Macht und Reichtum die Hauptrolle. Bündniszwecke galten mehr als gegenseitige Zuneigung.
In der Petersiliengasse, die ihren Namen der Petersilie verdankt, die zugleich als Potenzmittel und zur Beendigung von ungewollten Schwangerschaften genutzt wurde, lebten die Hübschnerinnnen. Trotz allem ging es ihnen wirtschaftlich gesehen oft besser als den Bauern, die zwar den größten Teil der Gesellschaft stellten, aber die wenigsten Rechte besaßen und am wenigsten verdienten. Die Hexenverbrennungen, die insbesondere die Berufsstände der Hebammen und Kräuterfrauen betraf, wurden ebenfalls thematisiert.