Von Dominik Bortz
Die Lachmuskeln der zahlreichen Zuschauer strapazierte das „Neu-Isenburger-Mundart-Ensemble“ am Sonntagabend mit „Der keusche Lebemann“ in der Gelnhäuser Stadthalle. Gekonnt präsentierten die Darsteller mit Überzeugung, Wortgewandheit und Einfallsreichtum eine muntere Komödie, die zum Ende hin eine drastische Wendung findet.
Gerti (Simone Lindenberger), die Tochter des Fabrikanten Julius Sehbold (Thorsten Wszolek) und seiner Frau Trude (Gisela Wolf), kehrt mit modernen Anschauungen über Liebe und Ehe in Begleitung des vermögenden jungen Nichtstuers Heinz Fellmeier (Norman Kalle) im Jahre 1925 nach einjährigem Aufenthalt in Berlin nach Heusenstamm zurück. Doch Vater Julius kann den „geborenen Sohn“ nicht leiden.
Ohnehin möchte er seine Tochter lieber seinem tüchtigen Mitarbeiter Toni Rummeleit (Igor Dolgatschew) anvertrauen, damit die beiden die Fabrik erfolgreich weiterführen können. Da ist es dem Fabrikbesitzer auch gerade egal, dass dieser zehn Jahre älter als seine Tochter, tollpatschig, ungepflegt und unelegant ist. Mutter Trude gefällt der leidenschaftliche Sportler Heinz Fellmeier und dessen extravagantes Auftreten allerdings sehr gut. Gerti stehe eben nur auf „Lebemänner“. Julius begeht einen folgenschweren Fehler, als er Toni eine bewegte und turbulente Vergangenheit andichtet, um dessen Tochters Gunst dennoch zu erringen. Toni kauft also Postkarten, auf denen anstatt „toller Raketen“, wie es Sehbold betonte, zum einen „Heinz Rühmann“ und die „Mona Lisa“ zu sehen sind. Doch Julius findet auch die berühmte Stummfilmdarstellerin Ria Ray (Corinna Weiß), die unter anderem in „die tote Leiche“ und „der stummen Ursel“ (mit bayerischem Untertitel) mitspielt. Dieses fälscht er mit einem Liebesbekenntnis der Schauspielerin zu Toni, in dem er auch „die schönen gemeinsamen Jahre verewigt“ .
Sofort erfährt ganz Heusenstamm von der angeblichen Beziehung. Gerti trennt sich von ihrem Berliner Liebhaber und verlobt sich mit Toni, was auch deren Freundinnen, den artigen Schwestern Wally (Stefanie Hehn) und Hilde (Corinna Weiß) gut gefällt. Als Sehbold einen „One-Night-Stand“ vertuschen will, kommt es zum Eklat, als er seine Frau darum bittet, seinen angeblich getroffenen Geschäftspartner Walter Riemann (Thorsten Klees) anzurufen und sich dies bestätigen zu lassen. Sehbold kennt Riemann allerdings gar nicht, sondern schrieb sich den Namen „wie immer einfach vom Hotelschild“ ab. Lachen konnte der Fabrikbesitzer nur kurz, denn Riemann ist der Verlobte von Ria Ray, die zufällig in der Stadt zu Besuch ist. Nachdem Sehlbold und Rummeleit deren Besuch in Heusenstamm aus der Presse erfahren, bricht deren Welt zusammen. „Es ist aus, alles aus“, schluchzte Rummeleit, der vom Kino eine Einladung für die Ehrentribüne bekommt.
Dann klingelt auch noch Riemann an der Tür, der einfach nur wissen möchte, warum er angerufen wurde. Zufällig findet er mehrere Fan-Bilder in den Räumen und auch das Bild mit der Widmung. Sofort vermutet er eine Affäre und stellt den angeblichen Verehrer zu einem Duell mit der Waffe auf. Nachdem Ray durch den Ex-Freund von Rummeleits Tochter auf Aufforderung von Riemann zum Haus der Familie gebracht wird, gerät die Situation völlig aus dem Ruder und Ray rächt sich an Toni für dessen schlechte Fälschung des Bildes: Sie zollt ihm vor versammelter Mannschaft ihre Liebe und setzt ihm zur Bedingung, sie zu heiraten, da sie sonst vor Gericht ziehe. Selbst das Filmgeschäft beende sie, um zu ihrem „reichen“ Toni zu ziehen. Für ihn bricht „seelisch und moralisch“ die Welt zusammen.
„Ich habe dich genug gestraft“, betont Ray, als sie Toni darüber aufklärt, dass es nicht ernst gemeint war und ihrem Verlobten erklärt, dass die Widmung wegen der falschen Handschrift gar nicht von ihr sein kann, was er schließlich akzeptiert. Gerti springt ihrem Toni in die Arme, während der Vater gewaltig Ärger von seiner Frau bekommt.
„Ich finde das Publikum einfach nur toll, denn sie sind einfach nur spaßig drauf“, freute sich Künstlerin Corinna Weiß im Gespräch mit dem Gelnhäuser Tageblatt. Mit Igor Dolgatschew und Normann Kalle beteiligten sich zwei Schauspieler aus der RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ an der Aufführung, die unter der Leitung von Thorsten Wszolek stand. In weiteren Rollen waren Diener Alfred (Horst Becker) und der Droschkenkutscher (Jürgen Link-Hessig) zu sehen. Die Zuschauer waren sich einig, dass es ein gelungener, mehr als dreistündiger Theaterabend war, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.