Von Alex Schopbach
Der Protest gegen den von der evangelischen Landeskirche verordneten Sparzwang (das GT berichtete mehrfach) nimmt zu. Speziell in Gelnhausen, wo die kirchliche Jugendarbeit - unter anderem die Stelle von Diakon Hartmut Winkler - auf der Kippe steht. Brita Weining-Rüppel hat dieser Tage einen offenen Brief an Bischof Prof. Martin Hein geschickt. Mit im Briefumschlag steckten 180 Protestunterschriften empörter Kirchenmitglieder.
Amelie Rüppel, die 19 Jahre alte Tochter von Brita Weining-Rüppel, hat sich intensiv in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert, erzählt die Zahnärztin im GT-Gespräch. Sie betreute Konfirmanden und engagierte sich als Helferin bei den Stadtferien. "Amelie ist in der Jugendarbeit groß geworden. Wie sie sich entwickelt hat, hat sehr viel damit zu tun", beschreibt Brita Weining-Rüppel ihre ganz persönliche Sicht der kirchlichen Jugendarbeit in Gelnhausen und betont: "Das ist eine sehr gute Sache". Für die geplanten Kürzungen ausgerechnet in diesem Bereich hat sie deshalb überhaupt kein Verständnis: "Ich verstehe nicht, wie die Kirche ausgerechnet an dieser Stelle sparen kann. Wer soll denn künftig in der Kirche sitzen? Wer soll künftig Kirchensteuer zahlen?".
Ihre Unterschriftensammlung will Brita Weining-Rüppel fortsetzen. Listen liegen unter anderem in ihrer Praxis und in der Marienkirche aus. Das Gelnhäuser Tageblatt bringt ihren offenen Brief an den Bischof im Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr Bischof Prof. Dr. Hein! Nun endlich, da die Politiker die Bedeutung von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft erkannt haben, versuchen sie, die junge Generation mit Kindergelderhöhung und Elterngeld von der Kinderfreundlichkeit Deutschlands zu überzeugen. In einer Zeit, in der Ganztagsschulen erwünscht sind, um allen Kindern möglichst gleiche Bildungschancen zu bieten, erlaubt sich die Kirche von Kurhessen-Waldeck massive Stellenstreichungen im Bereich der Jugendbetreuung. Auch hier wird die allgegenwärtige Krise als Auslöser kolportiert.
Es überrascht, dass die gleichen Muster angewandt werden, die die Kirche andernorts kritisiert. Nicht das 'Management' wird für Fehlentwicklungen zur Verantwortung gezogen, sondern die Jugendlichen, das schwächste Glied in der Kette, sind die Leidtragenden.
Dass nun von Ihnen, Herr Bischof, vermehrt ehrenamtliche Tätigkeit eingefordert wird, empfinden die in unserer Gemeinde mit sehr großem Engagement tätigen Freiwilligen als Affront. Zusätzlich wird die ausgezeichnete, unermüdliche Arbeit unseres Jugenddiakons in keiner Weise gewürdigt.
Die Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft der Gesellschaft und auch der Kirchen. Wie sollten kirchliche Werte und Gemeinschaftssinn in der Gesellschaft verbreitet werden, wenn keine Anstrengungen mehr unternommen werden, sie Kindern und Jugendlichen vorzuleben.
Wir als Unterzeichner dieses offenen Briefes bitten Sie, Ihr Konzept nochmals zu überdenken und eine Weiterführung der guten Jugendbetreuung in unserer Gemeinde zu unterstützen. Andernfalls könnte die Kirche weitere Mitglieder verlieren, die, statt Kirchensteuer zu zahlen, lieber ein eigenes Jugendprojekt unterstützen.
Wir hoffen auf eine positive Antwort Ihrerseits."