Fluglärm zehrt auch in Freigericht an den Nerven
30.01.2012 - FREIGERICHT
Großes Interesse am Informationsabend des Grünen-Ortsverbandes zum Thema - Drei Experten fordern andere Flugrouten
(et). Über 100 Zuhörer kamen am Samstagabend im Somborner Gasthaus „Zum Engel“ zusammen, um an einem Vortragsabend der Freigerichter Grünen zum Thema Fluglärm teilzunehmen. Gemeindevertreter Holger Marquardt begrüßte die Gäste.
Dr. med. Karl-Otto Naunheim vom Ärztenetz Spessart eröffnete die Vorträge mit neuesten Erkenntnissen aus der Lärmforschung. Seine Frau und er wohnen in Meerholz, im Sommer flohen sie zum Schlafen in den Keller, wie er dem Gelnhäuser Tageblatt im Nachgespräch verriet. „Es ist nicht der monotone Dauerlärm auf niedrigem Niveau, der Schläfstörungen verursacht, es sind die plötzlichen Spitzen bei direktem Überflug und der Wechsel der Tonhöhen, der die Leute aus dem Schlaf reißt“, fasste er zusammen. Die Lärmbelastung im Schlaf fördere vor allem den Bluthochdruck, wobei Frauen empfindlicher reagierten und ein höheres Risiko hätten als Männer, dadurch ein Herz-Kreislaufleiden zu entwickeln. Das Ärztenetz Spessart fordere daher eine konsequente Einhaltung des Nachtflugverbots und eine Anhebung der seit letztem Jahr gesenkten Anflughöhen über dem Kreis.
Jurist und Doktorand Martin Wilke konnte aus rechtlicher Sicht nur wenig Hoffnung machen. Eine Chance, gegen die neuen Flugrouten vor Gericht vorzugehen bestehe nur, wenn es gelinge nachzuweisen, dass sie von der Deutschen Flugsicherung willkürlich festgelegt wurden. Eine mögliche Argumentation könne sein, dass der Planfeststellungsbeschluß für die Schutzzone A rund um den Flughafen nach dem alten Anflugverfahren erstellt worden sei. In diesem Gebiet, rund 25 Kilometer um den Airport, lebten etwa 250 000 Menschen. Der Main-Kinzig-Kreis sei nicht dabei, unterliege aber seit 2011 einer ähnlichen Lärmbelastung. Es bliebe wahrscheinlich letztlich nur der Weg zum Bundesverwaltungsgericht und danach zum Verfassungsgericht.
Dritter Referent war der ehemalige Lufthansa-Pilot Ulrich Westermann. Er erklärte den Zuhörern, wodurch die erhöhte Lärmbelastung entstehe. Sein Fazit: „Sowohl die Piloten als auch die Airlines hätten es gerne anders. Wenn die DFS wolle, könne man den Anflug ohne Probleme um 1000 Fuß nach oben verlegen. Das kann durch einfache Anweisung an die Fluglotsen erfolgen“.
In der anschließenden Diskussion riefen viele Stimmen aus dem Publikum dazu auf, sich weiter an den Montagsdemonstrationen an Terminal 1 zu beteiligen, die immer um 18 Uhr begännen. Auch die bundesweite Aktion am Samstag, 4. Februar, an allen großen Flughäfen sei wichtig, um den Druck auf die Politik weiter zu erhöhen.