Von stolzen Rittern und holden Maiden
25.08.2010 - FLÖRSBACHTAL
Großes Mittelalterspektakel in Lohrhaupten lockt zahlreiche Besucher an - Zerstörungen durch Unwetter überschatten Fest
(bis). Reges Treiben herrschte am vergangenen Wochenende im Wiesengrund am Lohrbach in Lohrhaupten. Aus ganz Deutschland hatten sich Lagervolk, welches das mittelalterliche Leben unterschiedlicher Epochen darstellte, Ritter, Edelfrauen und einfaches Gesindel auf dem Gelände an den Angelteichen niedergelassen.
Auch manche Besucher präsentierten sich stilecht in historischen Gewändern und ließen sich mitnehmen auf eine spannende Zeitreise. Zum vierten Mal erwies sich das „Spectaculum zu Lahrehoubeten“ als großer Erfolg. 43 Marktstände verwandelten eine Fläche von rund 25 000 Quadratmetern in einen mittelalterlichen Marktplatz. Händler boten ihre Waren feil und Handwerker ließen sich bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen und luden zum Mitmachen ein. Mit der Taverne kam in diesem Jahr eine weitere Attraktion hinzu: Ein Wikingerschiff hatte auf dem Marktplatz seine Segel gehisst. Für ein reichhaltiges Angebot an „Speis‘ und Trank“ sorgten zahlreiche weitere Stände mit allerlei bekannten und unbekannten kulinarischen Genüssen sowie Kaffee, Kuchen und Eis.
Nach dem Einzug der Lagergruppen und Markthändler wurden die Ehrengäste aus Politik, Vertreter der Kirche, Lehensherren, der Adel und das „gemeine“ Volk von den Herolden „Franziskus von der Joss“ (Franzl Christ) und „Reineke dem Fuchs“ (Reinhard van der Sande) willkommen geheißen. Bürgermeister Richard Freund hatte wieder die Schirmherrschaft übernommen. An seiner Stelle begrüßte der Beigeordnete Rolf Jülg den „Freiherrn Rainer Schreiber, Schultheiß des Volkes in den Gruenden der Joss“, den „Freiherrn Günter Frenz“, der als „Stellvertreter des Landvogts an Main und Kinzig“ eine Spende überreichte und den „Freiherrn Heinz Lotz, Vertreter des Volkes im Hohen Haus zu Wiesbaden“. Nach ihren Grußworten erhielten die Ehrengäste geschmiedete Brieföffner als Gastgeschenke. Besonderer Dank für die Unterstützung ging an Bürgermeister Richard Freund und an die Feuerwehr Flörsbach sowie an „Phafenhusun” für die Überlassung der Bühne als Leihgabe. Zu den Besuchern am Sonntag zählte auch Dr. André Kavai, der sich ebenso über die große Resonanz freute und die Organisatorin anspornte, weiterzumachen und sich nicht entmutigen zu lassen.
Für das kleine und große Volk sorgten an beiden Tagen Armbrustschießen, Karten legen, die Kreiseltante, ein Mäuseroulette, Xenia hoch zu Ross mit ihren Eulenvögeln und viele andere Attraktionen für „Kurzweyl“. Die „Gerichtsbarkeit“ verurteilte so manchen, der schon lange kein Wasser mehr an sich gelassen hatte und die Leute mit seinem Geruch belästigte, zu harten Strafen.
Zur musikalischen Unterhaltung begeisterten die „Spielleute Teufelswerk“ und „Liudon Incorruptus“ mit mittelalterlicher Musik vom Feinsten. Rauf- und Sauflieder, aber auch skandinavische und orientalische Stücke sowie Eigenkompositionen zählen zu ihren Repertoires. Der kleine Trommler Lenny war bei nahezu jedem ihrer Auftritte mit von der Partie. Dudelsack, Schalmeien, Flöten, Sackpfeifen und die Davul, die große Trommel, sowie andere Percussion-Instrumente erklangen während des gesamten zweitätigen Festes. „Back of Beyond“ gestaltete wieder das musikalische Programm am Samstagabend. Die Bandmitglieder aus den entlegensten Winkeln der Region, das bedeutet nämlich ihr Name übersetzt, rissen das Publikum mit einer abwechslungsreichen Mischung aus traditionellen irischen Folksongs, Rock und Elementen anderer Musikrichtungen mit.
Nach Einbruch der Dunkelheit präsentierten die Feuerjongleure Talesien und Eila, besser bekannt als die „Burning Dragons“ eine atemberaubende Feuershow.
Ein jähes Ende fand das Fest am Sonntag Abend, als ein schweres Unwetter über den Festplatz hinwegzog und ihn fast vollständig zerstörte und für Verletzte sorgte (siehe nebenstehender Bericht). Deshalb soll der Erlös der Veranstaltung nicht nur, wie ursprünglich geplant, einem sozialen Projekt innerhalb der Gemeinde Flörsbachtal zugute kommen, sondern auch den Schaustellern, die bei dem Unwetter fast alles verloren, verriet die Organisatorin Claudia Cvecko.