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Gelnhäuser Tageblatt

Kultur 

Das Alter in eindringlichen Potraitfotos

14.10.2009 - BAD ORB

Jörg Kassühlke stellt im "Evangelischen Bildungszentrum für die zweite Lebenshälfte" in Bad Orb "Altersbilder" aus

(ez). "Altersbilder", eine Ausstellung mit großformatigen Fotografien von Jörg Kassühlke, die noch bis Mitte Januar im "Evangelischen Bildungszentrum für die zweite Lebenshälfte" ("ebz") bei freiem Eintritt zu sehen ist, zeigt das Alter in eindringlichen Porträts, ergänzt von Stillleben aus dem Umfeld der Porträtierten.

"Die Ausstellungseröffnung markiert die Zielgerade eines Projektes, das vor etwa zwei Jahren seinen Lauf nahm", erklärte die "ebz"-Leiterin, Pfarrerin Annegret Zander. Damals sei sie an Kassühlkes Gelnhäuser Atelier vorbeigegangen und habe im Schaufenster Fotos von einem älteren Ehepaar gesehen. "Diese Bilder haben mich so angesprochen, dass ich sofort den Wunsch fasste, mit JK ein Projekt zum Thema "Altersbilder" zu machen."

Eine Wanderausstellung sollte es werden - und ist es geworden. 2010 wird sie durch Hessen und auch darüber hinaus ziehen. Über ein Jahr haben die Pfarrerin und der Fotograf daran gearbeitet. Ein gelungenes Begleitheft mit Texten von Annegret Zander, das Biografien und Begegnungen skizziert, begleitet die Ausstellung.

"Warum Altersbilder?", hinterfragte sie bei der Eröffnung und beantwortet die Frage auch gleich mit: "Inzwischen ist es für mich persönlich eine Art "Mission" geworden, zu zeigen, dass das Alter vielfältig ist. Als eine, die gerade am Beginn der zweiten Lebenshälfte steht, bin ich zunehmend auf der Suche nach Bildern und Vorbildern, die auch mein eigenes Älterwerden unterstützen können." Interesse haben sie an allem, was Ältere betreffe. Und dieses Interesse möchte sie auch bei anderen wecken und sie von festgefahrenen, oft von Medien verschärften, Altersbildern verabschieden. "Auch davon, was im Alter angemessen und richtig sein mag." Jeder Mensch gestalte, wie sein Leben überhaupt, auch sein Alter anders. Für die Ausstellung wurden vor allem Menschen aus der Region gefunden, die dem Fotografen auch Einblick in ihr Zuhause gewährten: Darunter ein Uhrmacher und Unternehmer, eine Künstlerin, ein Schuhmacher, der seine Frau pflegt, eine quicklebendige Dame aus einem Altersheim, eine 103-Jährige, die bei ihrer 78-jährigen Tochter lebt, eine Demenzkranke, die dennoch selbständig lebt.

"Ich stelle fest, dass wir, ohne es zu planen, Menschen gefunden haben, die ihr Leben auch kurz vor dem Lebensende mit hoher Intensität leben." Ins Kassühlkes Porträts finde eine Verdichtung statt, so Zander, die die Lebensintensität der Einzelnen aufgreife: "Hier eine störrische Melancholie, dort eine ätherische Entschlossenheit, hier eine wache Gelassenheit, dort eine Innigkeit, die keine Krankheit zerstören kann." Die Bilder blieben unbearbeitet, die Begegnung damit unzerstört. Den eindringlichen "Spiegelbildern" stehen Einblicke in die Wohnungen gegenüber. Ein großes Dankeschön Annegret Zanders galt ihrem Kollegen Hartmut Wolter, der sie nicht nur inhaltlich unterstützt habe, sondern auch für das Projekt Fördermittel des Landes Hessen erreichte.

Der Wiener Cellist Ivan Turkalj begleitete einfühlsam die Ausstellungseröffnung. Er habe sich vorher die Bilder angeschaut, erklärte er, und darauf die Musik abgestimmt, von weniger bekannten Komponisten bis hin zu Johann Sebastian Bach. Passend zur Ausstellung hielt Pfarrer Christian Mulia einen Vortrag zur Kulturgeschichte der Altersbilder vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. In seiner eben fertiggestellten Dissertation befasst er sich mit den "Perspektiven der kirchlichen Altenbildung" und hat ein Kapitel über die Entwicklung des Altenbildes ab der frühen Neuzeit geschrieben.

Vernissage mit (v.l.) Cellist Ivan Turkalij, Fotograf Jörg Kassühlke und Pfarrerin Annegret Zander.Bild: ez


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