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Gewaltprävention: Angebote für Opfer und Täter

30.10.2009 - MAIN-KINZIG

Vortrag über Anti-Aggressions-Training im Kreis-Jugendhilfeausschuss - Busbegleiter- und Pausenhelfer-Projekte greifen

(kh). Der Kampf gegen Gewalt unter Jugendlichen und Kindern mit Hilfe der speziellen Täter-Trainingsprogramme AAT und CT war gestern Thema des mit Kreistagsmitgliedern und Vertretern aus der Jugendarbeit besetzten Kreis-Jugendhilfeausschusses (JHA) im Main-Kinzig-Forum. Auf Anregung von Hans-Jürgen Klein, der dem Ausschuss als Jugendpfleger und Vertreter des DGB angehört, hatte das Gremium Evelin Klein vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) Frankfurt/M. eingeladen, die über das Anti-Aggressions-Training (AAT) und das so genannte Coolnesstraining (CT) berichtete.

In diesen beiden seit 1987 praktizierten Programmen werden gewalttätige Männer, Jugendliche und Kinder in sechsmonatigen Trainingskursen entweder auf freiwilliger Basis oder nach richterlicher Anordnung behandelt. Wesentliche Aspekte dabei sind die Analyse der Auslöser von Aggressionen, die Übernahme der Tatverantwortung und die Steigerung der Fähigkeit, sich in das Opfer hineinversetzen, auch Mitgefühl empfinden zu können, Deeskalationsübungen und Entspannungstechniken.

Während das Coolness-Programm eine Mischung aus Kompetenz- und Anti-Agressivitäts-Training darstellt, das sich insbesondere für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an Schulen eignet, stehen beim AAT gewaltbereite junge Männer im Vordergrund, denen Gewalt Spaß macht, die das Opfer als "Tankstelle" für ihr eigenes Selbstbewusstsein" missbrauchen und die häufig früher einmal selbst Opfer von Gewalt geworden sind. Nicht geeignet für das AAT-Training seien der deutschen Sprache nicht mächtige, minderbegabte oder in feste kriminelle Strukturen eingebundene Täter, ferner absolut uneinsichtige Täter, Sexualstraftäter und psychisch Kranke. "Wer bleibt denn da noch übrig?", wurden daraufhin mehrfach Fragen aus dem Gremium laut. Evelin Klein nannte als typische Zielgruppe stadtbekannte Schläger, Mitglieder von Straßengangs, Hooligans und Skinheads.

Der Ausschuss zeigte sich gestern interessiert an den Trainingsangeboten des ISS und beschloss, sich im Februar eingehend mit den Ergebnissen eines ähnlichen Anti-Aggressions-Trainings zu befassen, das derzeit in Hanau bußgeldfinanziert unter Obhut des Vereins "Sprungbrett" läuft. Gefordert wurde ferner eine bessere Vernetzung der bestehenden Angebote und Projekte verschiedener Träger im Bereich der Gewaltprävention. Die gestern ebenfalls anwesenden Jugendrichterin Haas (Gelnhausen) sah einen großen Bedarf für ein gezieltes Angebot auch an Täter: "Heute hatte ich wieder zwei, die da genau hineingepasst hätten."

Zuvor hatte Kreisjugendreferentin Susanne Simon-Schramm, selbst ausgebildete AAT-Trainerin, über die seit 2002 im Main-Kinzig-Kreis praktizierten Projekte "Busbegleiter" und "Pausenhelfer" berichtet. Anders als bei den AAT- und CT-Programmen, die ihrer Ansicht nach eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden Jugendarbeit im Kreis darstellen könnten, handelt es sich hierbei um gezielte Opferhilfeprojekte. Koordiniert von Simon-Schramm, haben seit 2002 kreisweit rund 300 Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren eine bis zu 30-stündige Ausbildung in Konfliktbewältigungs- und Deeskalationsstrategien absolviert, mit der sie auf dem Weg zur Schule und in der Schule selbst Gewalt vermeiden und Zivilcourage vorleben. "Die Ausbildung gibt den Schülerinnen und Schülern das Wissen, typisches Täter- und Opferverhalten zu erkennen und auch den nötigen Mut, in Konflikte hineinzugehen und das Opfer dort herauszuholen", berichtete Simon-Schramm gestern vor dem Ausschuss. Jugendliche merkten viel schneller als Lehrer, wo welche Konflikte entstehen könnten. Ihre Arbeit verhindere nicht nur, dass Blut fließe, sondern schaffe auch eine größere Sympathie für Opfer, denn Opfer würden von Mitschülern oft als "schwach" ausgegrenzt. Nach Simon-Schramms Erfahrungen haben sich die Busbegleiter- und Pausenhelfer-Projekte in der Praxis "hervorragend" bewährt. Es gebe deutlich weniger Gewalt an den beteiligten Schulen etwa in Birstein und Hettersroth oder Bad Soden-Salmünster. Leider seien ihre persönlichen Kapazitäten ausgeschöpft und so müsse sie Anfragen aus dem Gelnhäuser Raum auf die Warteliste setzen. Bei optimaler Kooperation sei es aber möglich, dass Schulen das Programm in Eigenregie fortführten, indem sie das Projekt in ihren Lehrplan aufnähmen.

www.iss-ffm.de

www.mkk.de (jugendamt)

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30.10.2009 Dieser Kommentator ist bei uns nicht registriert.

Namensfehler


Es sollte richtig Hans-Jürgen HELDMANN heißen (und nicht Hans-Jürgen Klein).

Ich habe zwar in Sachen AAT/CT eine große inhaltliche Übereinstimmung mit Frau Klein - aber ihr bleibt die Bürde einer Ehe mit mir erspart. Auch gibt meine Gattin halbwegs glaubhaft vor, an einem Fortbestehen der Lebensgemeinschaft mit mir festhalten zu wollen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Jürgen Heldmann,

der sich ansonsten sehr über die journalistische Unterstützung freut (DANKE!!!!)

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